Belastende Kindheitserlebnisse und die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol beeinflussen den 2-Jahres-Verlauf von nicht-suizidalem selbstverletzendem Verhalten (NSSV)
Bisherige Studien belegen eine generelle Abnahme von NSSV bei Jugendlichen über die Zeit. Bislang wissen wir jedoch noch wenig darüber, warum manche Jugendlichen besser von unseren Therapien profitieren als andere. In unserer Studie haben wir den Verlauf von NSSV bei 51 Jugendlichen über einen Zeitraum von 2 Jahren verfolgt. Es wurde überprüft inwiefern wir zu Therapiebeginn durch belastende Kindheitserlebnisse sowie durch die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol den Verlauf von NSSV vorhersagen können. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die Interaktion von belastenden Kindheitserlebnissen und Kortisol einen Einfluss auf den Verlauf von NSSV hatte: Jugendliche ohne belastende Kindheitserlebnisse und einer erhöhten Kortisolausschüttung zeigten einen günstigen Therapieverlauf im ersten Jahr, gefolgt von einer erneuten Zunahme von NSSV im zweiten Jahr. Unsere Ergebnisse könnten dahingehend interpretiert werden, dass eine hohe Kortisolausschüttung in Abwesenheit belastender Kindheitserlebnisse kurzfristig mit einer Verbesserung von NSSV einhergeht, jedoch das Risiko einer Überlastung des Stresssystems und in Folge einer erneuten Verstärkung von NSSV mit sich bringt. Im Gegenzug könnten Jugendliche mit starken belastenden Kindheitserlebnissen von erhöhten Kortisolwerten profitieren, was sich in einer langsameren aber nachhaltigeren Verbesserung von NSSV zeigt. Zum Nachlesen hier.