Taxonomie der Wirkfaktoren und -mechanismen von Psychotherapie (WIFA–MAP)

Während die Wirksamkeit von Psychotherapie heute unbestritten ist, bleibt weiterhin unklar, was genau in einer Psychotherapie wirkt und wie diese Wirkung zustande kommt. Hinsichtlich der dafür verantwortlichen Wirkfaktoren herrscht in der Fachwelt Uneinigkeit.

Dieser Dissens spiegelt die heterogene Befundlage der vergleichenden Psychotherapieforschung wider: Einerseits zeigen Vergleiche verschiedener Psychotherapiemethoden nur geringe Unterschiede in den Effektstärken – ein Phänomen, das als «Dodo-Vogel-Verdikt» oder «Äquivalenzparadoxon» bezeichnet wird. Andererseits sind bestimmte Psychotherapieformen bei der Behandlung spezifischer psychischer Störungen oder bei Patientinnen und Patienten mit bestimmten Merkmalen hinsichtlich ihrer Ressourcen, Interaktionsmuster oder motivationalen Bereitschaft wirksamer als andere.

Diese Befunde haben zu zwei unterschiedlichen Annahmen über die therapeutisch wirksamen Faktoren von Psychotherapie geführt: dem Modell spezifischer Wirkfaktoren («specific ingredients model») und dem Modell allgemeiner Wirkfaktoren («common factors model»). Das Taxonomie-Projekt setzt an dieser Kontroverse an und soll dazu beitragen, die Wirkfaktoren, Wirkmechanismen und Veränderungsprozesse von Psychotherapie besser zu verstehen.

In verschiedenen Studien wurde das Zusammenspiel spezifischer und allgemeiner Wirkfaktoren untersucht. Dazu gehören Befragungen von Psychotherapieforschenden, Analysen von Psychotherapiesitzungen sowie Metaanalysen zu den Zusammenhängen zwischen einzelnen Variablen des Psychotherapieprozesses – beispielsweise Veränderungen der Emotionsverarbeitung – und dem Therapieergebnis.

Die bisherigen Befunde legen nahe, dass allgemeine Wirkfaktoren als übergeordnete Prinzipien therapeutischer Veränderung («principles of therapeutic change») verstanden werden können. Dabei handelt es sich um klinische Strategien, die mithilfe bestimmter Psychotherapietechniken – den spezifischen Wirkfaktoren – umgesetzt werden. Spezifische und allgemeine Wirkfaktoren sind somit eng miteinander verbunden und tragen gemeinsam zur therapeutischen Veränderung bei. Zusätzlich können individuelle Merkmale der Patientinnen und Patienten, beispielsweise der Bewältigungsstil, diesen Prozess beeinflussen.

Aktuell führen wir ein systematisches Umbrella-Review der bestehenden Forschung zu psychotherapeutischen Wirkfaktoren und Veränderungsmechanismen durch. Damit wollen wir Grundlagen für die Entwicklung einer evidenzbasierten, personalisierten und prozessorientierten Psychotherapie schaffen.

Verantwortliche Personen
Leitung: Mario Pfammatter, Wolfgang Tschacher
Team: Michelle Bürki, Nina Gsponer, Linda Antonia Meier, Sarah Xenia Schäfer